Benjamin Engeli – Johannes Brahms

Wer als Interpret Klaviermusik von Johannes Brahms in Angriff nimmt, muss äusserliche Effekte und virtuose Brillanz hinter sich lassen und sich in die „zweite Reihe“ hinter den Komponisten und seine tiefen Gefühlswelten stellen. Was für andere Komponisten nur eines von mehreren wichtigen Interpretationskriterien ist, wird hier sozusagen zur Hauptaufgabe: Welche Emotionen stecken hinter den Noten? Wie hält der formale Aufbau alles zusammen? Wie sind die Motive miteinander verknüpft? Und wieviel Freiheit ist verlangt, oder an anderen Stellen erlaubt? Diese Fragen stellen sich beinahe in jedem Takt und machen diese Musik so spannend und erfüllend wie nur wenige Klavierwerke. Selbstverständlich verlangt Brahms viel, die grössten Schwierigkeiten entstehen aber durch die Spannung zwischen den manchmal überwältigenden Emotionen und der immer vorhandenen Klarheit der Form. Es ist, als wären dies die beiden Bereiche, die es zu entschlüsseln gilt, die den Komponisten von der ersten Klaviersonate Opus 1 bis zu den späten Klavierstücken Opus 119 immer wieder beschäftigt haben. Die virtuose Klaviertechnik weiterzuentwickeln überliess er anderen.

Benjamin Engeli zählt zu den vielseitigsten Pianisten der jungen Generation. Er musiziert in Konzertsälen wie dem Concertgebouw Amsterdam, der Wigmore Hall London, der Hamer Hall Melbourne, dem Teatro Municipal Rio de Janeiro, dem Oriental Arts Center Shanghai, dem Vancouver Playhouse oder dem Konzerthaus Wien. Als Solist konzertiert er mit Orchestern wie dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem Tschaikowsky-Sinfonieorchester Moskau oder dem Tonhalle Orchester Zürich.


François-Xavier Poizat – PianOrchestra vol 2

In einer Zeit ohne technische Möglichkeiten, Tonaufzeichnungen herzustellen und zu konservieren, gab es für die Musikliebhaber nur zwei Möglichkeiten des Musikgenus­ses: entweder Konzerte zu besuchen, was angesichts der historischen Infrastruktur und der zur Verfügung stehenden Transportmöglichkeiten schwierig oder gar unmög­lich war, oder eben selbst zu musizieren. Die Hausmusik erlangte aus diesem Grund gerade im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine besondere Bedeu­tung und Verbreitung. Daran hatte auch die technische Fortentwicklung des Klaviers einen wesentlichen Anteil. Komponisten und Interpreten gingen verstärkt dazu über, Übertragungen und Arrangements originaler oder fremder Werke der verschiedens­ten Gattungen für Klavier zu zwei oder zu vier Händen zu erstellen und diese Werke dadurch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Die vorliegende Aufnahme vereint Bearbeitungen von Orchesterstücken für Klavier. Das Klavier vermag ein Orchester an Klangvielfalt zwar nicht unbedingt zu übertref­fen, doch der Pianist kann sich durchaus mit zusammengefassterer Einheitlichkeit und Flexibilität ausdrücken. Dies zu versuchen ist gerade bei Orchesterstücken eine große Herausforderung und François-Xavier Poizat gelingt es, mit den Farben und den virtuosen Möglichkeiten des Klaviers bis an die Grenzen des Instruments zu ex­perimentieren.

Der Pianist, geboren in 1989 in Grenoble mit französischem, schweizerischem und chinesischem Ursprung, hat Diplome gemacht an der Musikhochschule Genf und Hamburg, an der Juilliard School in New York in den Klassen von Alexeï Golovin, Evgeni Koroliov, Nelson Goerner und Matti Raekallio. Aktuell erhält er weitere Impulse bei Benedetto Lupo, an der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom. Martha Argerich hatte ebenfalls einen bedeutenden Einfluss auf den pianistischen Werdengang von Poizat, in dem sie ihn als zwölfjährigen zur Teilnahme an ihrem Festival, dem Pacific Music Festival in Japan, einlud und ihn als »einen jungen Pianisten mit einem tiefen Lyrismus und einer erstaunlichen Vituosität« beschrieb.


Ensemble Matìs – André Chéron op. 2

Das Ensemble Matís besteht aus jungen Musikerinnen und Musikern verschiedenster Nationalitäten, die sich ursprünglich an der Escola Superior de Música de Catalunya in Barcelona kennenlernten und schließlich in der jetzigen Formation an der Schola Cantorum Basiliensis in Basel zusammengefunden haben. Seit der Gründung im Herbst 2012 arbeiten sie in Repertoire-bedingter Besetzung intensiv zusammen und versuchen, ihre Erfahrungen im gemeinsamen Musizieren zu teilen und zu erweitern. Mit Japan, der Schweiz und Südkorea, sind im Ensemble viele unterschiedliche Kulturen vertreten, was die Zusammenarbeit bereichert und immer wieder spannend macht. Das Ensemble hat sich auf die Aufführung barocker Kammermusikwerke spezialisiert und legt, wie der Name „Matís“ bereits andeutet, ein besonderes Augenmerk auf die kleinen Details, die Nuancen und Farben in der Musik und im Zusammenspiel. Ziel ist es, die Musik in ihrem Farbenreichtum dem Publikum näherzubringen und verschiedene Ausdruckswerte zum Leben zu erwecken.