Carl Philipp Emanuel Bach – Sonatas for Traverso and Clavier

In der Musikwissenschaft hat man sich schon immer schwer damit getan, die Übergangszeit nach dem Barock zu benennen. Begriffe wie «Sentimentalismus», «Sturm und Drang» oder «Vorklassik» sind meist aus anderen Kunstformen entlehnt und potenziell mit Urteilen oder Vorannahmen behaftet. Carl Philipp Emanuel Bach ist eine der Schlüsselfiguren dieser «Zwischenzeit» und einer der Vertreter eines radikalen Wandels in der Musikästhetik. Der Philosoph und Ästhetiktheoretiker Johann Georg Sulzer beschrieb die ideale «gefühlvolle» Triosonate in seiner «Allgemeinen Theorie der schönen Künste» (1771-1774) folgendermaßen: «Das eigentliche Trio hat drei Hauptstimmen, die gegeneinander concertieren, und gleichsam ein Gespräch in Tönen unterhalten.» Seiner Meinung nach sollte die Musik «ein empfindsames Gespräch in bloss leidenschaftlichen Tönen unter gleichen, oder von einander abstechenden Charakteren» wiedergeben. «Singende und jedem Instrument gemässe Begleitung des Thema; freie Nachahmungen; unerwartete und wohlklingende Eintritte, indem eine Stimme der andern gleichsam in die Rede fällt; durchgängig ein fasslicher und wohlkadenzierter Gesang und Zwischensatze in allen Stimmen, ohne dass eine durch die andere verdunkelt werde; auch wohl zur Abwechslung Schwierigkeiten und Passagen von Bedeutung, füllen den übrigen Teil des Stücks aus, und machen das Trio zu einem der angenehmsten Stücke der Kammermusik.» Sulzer stellte außerdem fest: «Gute Trios dieser Art sind aber selten.» Laut Sulzer waren die Sonaten «unseres Hamburger Bachs» ein Musterbeispiel für dieses Genre. Sie «sind so sprechend, dass man nicht Töne, sondern eine verständliche Sprache zu vernehmen glaubt, die unsere Einbildung und Empfindungen in Bewegung setzt, und unterhält. [...] Die Sonaten eben dieses Verfassers von zwei concertierenden Hauptstimmen, die von einem Bass begleitet werden, sind wahrhaftige leidenschaftliche Tongespräche; wer dieses darin nicht zu fühlen oder zu vernehmen glaubt, der bedenke, dass sie nicht allezeit so vorgetragen werden, wie sie sollten.»


Anastasia Yasko – Chopin

Die russische Pianistin Anastasia Yasko spielt vier bedeutende Werke von Frédéric Chopin, welche die verschiedenen Perioden in seinem Schaffen darstellen: zwei Polonaisen − Andante spianato et grande polonaise brillante Op. 22 und Polonaise-Fantasie Op. 61, die letzte Ballade Op. 52 und die Sonate Op. 58. „...Die Musik Frédéric Chopins lag mir immer sehr am Herzen. Bereits seit den ersten Jahren in der Musikschule sowie später am Moskauer Tschaikowski Konservatorium hatte ich eine besondere Einstellung zu Chopins Musik. Für mich ist Chopin ein äußerst ‚pianistischer‘ Komponist. Er hinterließ über 230 Werke und darunter wurden ca. 200 ausschließlich für Klavier komponiert. Aber nicht nur der hohe Anteil der Klavierwerke unterstreicht dies. Das Klavier als Instrument stellt bei Chopin eine unverwechselbare, autonome Klangwelt dar, ohne jeglichen Versuch die Grenzen des Instruments überschreiten oder gar andere Instrumente nachahmen zu wollen. Es entsteht eine schier unermessliche Tiefe und ein weiter Horizont in seiner Musik... Man findet hier alles, was für das Klavierspiel so wertvoll ist: eine wunderschöne, quasi vokale Melodik, welche sich in jeder Stimme seiner oft polyphonen Faktur zeigt; die filigrane Brillanz von melodischen Passagen; eine besonders feine Phrasierung und Pedalisierung. Chopin wird oft ein ‚Dichter des Klaviers‘ genannt, nichtsdestotrotz verzichtet er aber auf eine bestimmte Programmatik in seinen Werken, auch ungeachtet der romantischen Tradition seiner Zeit. Seine Musik spricht für sich selbst und lässt den Zuhörer in eine Welt der Fantasie eintauchen. Chopin hat in vielen verschiedenen Gattungen komponiert. Die Beherrschung sowohl seiner komplexen monumentalen Werke, als auch pianistisch und musikalisch hoch komplizierter Miniaturen könnten für jeden Musiker eine Lebensaufgabe werden.“



Suhyun Kim, Ievgeniia Iermachkova – Bridges

Die beiden Musikerinnen sind Preisträger zahlreicher internationalen Musikwettbewerbe. Die Südkoreanerin Suhyun Kim (Viola) studiert Konzertexamen an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, die Ukrainerin Ievgeniia Iermachkova (Klavier) ist Dozentin an der Internationalen Musikakademie Anton Rubinstein in Düsseldorf und seit 2022 Lehrbeauftragte für Korrepetition an der Folkwang Universität der Künste. BRIDGE: Pensiero weist jene brütend melancholische Stimmung auf, die charakteristisch für die Kammermusik des Komponisten ist. Das Allegro appassionato wird in seinen Rahmenteilen von einem Moment mitreißender Energie und berückender Klangfülle bestimmt, die mit einem nostalgisch anmutenden Mittelteil kontrastieren. ENESCU: Sein Konzertstück für Viola und Klavier entstand 1906 für einen Wettbewerb. Es ist eine lyrisch geprägte Rhapsodie, dessen Bratschenpart dem Spieler allerdings virtuose Fähigkeiten abfordert – Enescu selbst war ein geigerisches (und pianistisches) Wunderkind gewesen. In dem einsätzigen Werk mischen sich Elemente des französischen Impressionismus mit solchen der rumänischen Folklore. SCHUMANN: Das im Juli 1849 als Adagio und Allegro op. 70 bei Friedrich Kistner in Leipzig erschienene zweiteilige Werk hat Schumann für „Pianoforte und Horn“ komponiert, wie es im Erstdruck heißt, aber bereits dort auch eine Ausführung mit „ad libitum Violoncell oder Violine“ als Alternative freigestellt. CLARKE: Rebecca Clark wird heute zu den bedeutendsten britischen Komponistinnen der Zwischenkriegsepoche gerechnet. Als Geigerin und insbesondere als Bratscherin ausgebildet, sie war Schülerin von Lionel Tertis, dem bedeutendsten Bratscher seiner Epoche, wurde sie als eine der ersten Frauen in ein professionelles Orchester berufen, in das Queen’s Hall Orchestra, das die Konzertreihe der „Proms“ eröffnete. Ihre 1919 entstandene, dreisätzige Sonate für Viola und Klavier reichte sie bei dem Kompositionswettbewerb in Berkeley um den „Coolidge International Prize“ ein und errang unter einer Vielzahl von Mitbewerbern den zweiten Preis, wobei es vermutlich nur der ungewöhnliche Umstand, dass sie eine Frau war, der dazu führte, dass man den ersten Preis dem Komponisten Ernest Bloch zuerkannte.