Dieser repräsentative Ausschnitt aus dem Klavierwerk von Joseph Haas vermittelt bereits die Vielfalt und Unverwechselbarkeit seines Kompositionsstils.
Die Sonatinen op. 94 aus dem Jahr 1943 sind Werke, die sowohl in der Hausmusik als auch im intimen Konzertsaal ihren Platz finden. Ihr Satz ist von Durchsichtigkeit geprägt, ihre zeichnerische Anlage von feiner Subtilität.
Eine Sonderstellung im Œuvre von Haas nimmt die 1917 komponierte und 1918 bei Leuckart veröffentlichte Sonate a-Moll op. 46 ein. Nicht nur ihr Umfang, sondern auch die technischen Anforderungen und interpretatorischen Herausforderungen verlangen dem Interpreten Außergewöhnliches ab. Der Komponist bezeichnete sie selbst als seine „Revolutions-Sonate“. Trotz dieser Bezeichnung bleibt die klassische Form gewahrt, und der Bezug zur Tradition wird nicht aufgegeben.
Das zweite Heft der Hausmärchen op. 43 aus dem Jahr 1916 knüpft an den Erfolg des ersten Heftes op. 35 an (erschienen im Februar 2025 bei ARS Produktion als Wiederauflage, gemeinsam mit den Elegien op. 42 und den Eulenspiegeleien op. 39). Diese neun kurzen Stücke bewegen sich in ihrem Schwierigkeitsgrad zwischen Hausmusik und Konzertliteratur. Sie zeigen einen anderen Joseph Haas – jenen, den man einst irrtümlich den „Spitzweg der Klaviermusik“ nannte. Tatsächlich belegen diese kleinen Genrestücke, mit welch einfachen, aber kunstvoll eingesetzten kompositorischen Mitteln Haas stimmungsvolle Charakterbilder zu zeichnen versteht.
Dem Werk von Joseph Haas wird man nur dann gerecht, wenn man es an dem misst, was der Komponist selbst als Sinn seiner Musik formulierte: „Die Musik soll erfreuen, nicht beleidigen; sie soll erschüttern, nicht zerschmettern; sie soll veredeln, nicht banalisieren.“