Oktober 2019

UWAGA!

Oktober 2019

Beethoven – deutsche Identität, Hochkultur, ein Mythos. Seine Musik ist mit der deutschen Geschichte verwoben und durch sie geprägt. Diesem übergroßen Komponisten und seinem Werk widmen sich das Folkwang Kammerorchester Essen und Uwaga! in ihrer zweiten Zusammenarbeit.

Schon 2015 mischten die Ensembles in ihrem Projekt „Grenzenlos“ Grieg mit Rage against the Machine, machten aus Vivaldis Sommer eine Rock-Hymne und begeisterten damit ihr Publikum und die Presse, die urteilte: „Besser kann man den Geist des Crossover kaum transportieren. Hier sind zwei Klangkörper aufeinander getroffen wie kollidierende Galaxien, mit all dem aufflammenden Drama, das dabei entsteht.“ (Pirmasenser Rundschau)

In ihrem neuen Gemeinschaftsprogramm alle menschen werden brüder gehen die beiden international besetzten Ensembles jetzt noch ein Stück weiter. Die Uwaga!-Mitglieder haben das Folkwang Kammer-orchester Essen mit passgenauen Workshops in Jazz-Spieltechniken geschult und im intensiven Austausch mit dem Orchester die Arrangements entwickelt. In „Alle Menschen werden Brüder“ loten die Musikerinnen und Musiker Vergangenheit und Gegenwart des Mythos Beethoven aus und verneigen sich vor seiner Musik. Mit viel Liebe und Respekt konfrontieren sie Beethoven mit dem Balkan und dem Orient, mit Swing und Rock.

In den musikalischen Akteuren treffen zwei Welten aufeinander: Hier das klassische Streichorchester, dort das Crossover-Quartett – geeint in ihrer großen Neugier und Offenheit sowie der Lust daran, Neues auszuprobieren. Gemeinsam durchleuchten sie Beethovens Musik; sie zerlegen sie, um sie schließlich gänzlich neu zusammenzusetzen. Sie übertragen die von Uwaga! entwickelten Spieltechniken auf das Orchester und erschaffen so bisher ungehörte orchestrale Crossover-Klänge, die an die Grenzen der Konventionen gehen und weit da-rüber hinaus. Spielerisch, humorvoll und doch mit ernsthafter Genauigkeit bereichern sie so die Musik und sich gegenseitig um viele Klangfarben und Stimmungen. Das Ergebnis: aufregende Erfahrungen, unvermutete Entdeckungen und unzählige neue Perspektiven auf den Klassiker Beethoven.

alle menschen werden brüder, ein Album, das konsequent die Grenzen der Klassik erweitert. / An album that systematically expands the limits of classical music. Listen to classical crossover, listen to Uwaga!

Ieva Dudaite

Oktober 2019

Mit dem Programm Tiersen meets Chopin bringt Ieva Dudaite zwei Tonkünstler zusammen, die häufig in einem Atemzug genannt werden. Beide haben aus der klassischen Tradition heraus kommend einen unverwechselbaren Personalstil kultiviert, der sie zu Protagonisten ihrer jeweiligen Zeit und musikalischen Sphären machte.

Ich glaube, dass die Musik dieser beiden Komponisten über die Zeit hinausgeht und einen großen Einfluss auf die Klavierliteratur des 19. und 21. Jahrhunderts ausübte. Die Entscheidung, das Album aufzunehmen, war ganz logisch für mich. Ein Jahr zuvor hatte ich bereits ein Recital mit Frédéric Chopin und Yann Tiersen vorbereit. Das war experimentell und innovativ, da ich bis dahin noch nicht gehört habe, dass jemand diese zwei Musiker, einen der größten Tonkünstler überhaupt und den Studio- und Filmkomponisten Tiersen, Seite an Seite gestellt hat.

Indem die litauische Pianistin Chopins Werke der Gattungen Nocturne, Walzer und Ballade mit suggestiven minimalistischen Stücken von Tiersen konfrontiert, macht sie die Verbindungen der zwei Komponisten erfahrbar. Im intimen Rahmen lyrischer Klavierminiaturen sind sie sich nah. Aber auch der Stellenwert verschiedener Milieus ist ihnen gemein. Beide lassen sich kompositorisch auf Land und Leute ein und schreiben, oft aus sehnsüchtiger Distanz, über Heimat, Folklorismen, Tänze, Lieder, die Natur…

…und führen uns ins gleiche, aber doch sehr unterschiedlichen Paris: Salons aus dem 19. Jahrhundert sowie lebendige Straßen des Montmartre. Im Zeitalter des rasanten technologischen Fortschritts ermöglicht es diese Musik, Luft zu holen und sich der Atmosphäre der musikalischen Intimität und Reflexion hinzugeben.

Romain Nosbaum

Oktober 2019

Saudades – Sehnsucht, Wehmut

Für mich bedeutet Musik machen immer ein wenig, auf Reisen zu gehen und Horizonte sprengen. Man kann sich natürlich nicht jede Art von Musik aneignen, aber ich denke, wenn einem die Art von Musik gefällt, ist schon vieles gewonnen. Die ›südländische‹ Musik ist eine, die direkt aus dem Herzen kommt und damit sehr eng mit den Gefühlen verbunden ist. Das gefällt mir sehr – und für mich als Mitteleuropäer ist es daher eine große Herausforderung, auch eine Freude, sie zu interpretieren.

›Saudades‹ kommt aus dem Portugiesischen und ist ein sehr kraftvolles Wort. Es ist die Anwesenheit der Abwesenheit, eine Mischung aus sanfter Melancholie, Traurigkeit, Hoffnung, aber es drückt auch die Passion und die dazugehörige Freude aus. Die Gemeinsamkeit dieses Wortes und der aufgenommenen Werke ist, dass in dieser Musik auch all diese Gefühle sehr nah beieinander sind, und dass man sehr schnell von einem Gefühl in das andere verfallen kann. Es gibt keine Freude ohne Melancholie...

Die Auswahl der Werke auf diesem Album ist nicht zufällig. Jedes Stück hat einen Bezug zu dem Wort ›Saudades‹: das Verlangen etwa nach einem Ort (›Adios a Cuba‹, ›Asturias‹), der Seele, dem Menschen (›Alma brasileira‹) oder sonst einem Element wie z.B. das Volkstümliche. Auch letzteres fasziniert mich: Die Musik hat zumeist eine enge Verbindung zum Tanz, weshalb die Rhythmen so bedeutsam sind. Damals war alles mehr eine volkstümliche Angelegenheit als eine Bühnenangelegenheit. Deswegen ist diese Musik so eindrucksvoll: Sie bleibt human, sehr verbunden mit der menschlichen Gefühlswelt.

Zane Zalis

Oktober 2019

Zane Zalis hat I BELIEVE komponiert, um Menschen dazu bewegen, über die Folgen von Hass und Rassismus nachzudenken, ja, diese durch Worte und Musik regelrecht zu „spüren“.

Die Musik und die Worte erzählen von den abscheulichen und erhabenen Erfahrungen der Menschen, die den Holocaust miterlebt und ertragen haben. Es ist eine komplexe und einfache Geschichte, die altbekannt und besonders ist und nicht vergessen oder verwässert werden sollte. Das unvorstellbare Leid der Menschen durch grausam zerstörerische, von Hass erfüllte Täter ruft die gesamte Menschheit dazu auf, sich an den Holocaust zu erinnern und wachsam zu sein; denn was war, darf nie wieder geschehen.

I BELIEVE handelt von uns, der Menschheit, gekleidet in Gewänder aus Verderbtheit, Angst, Schmerz, Verlust, aber auch Glaube, Mut und Hoffnung. Diese Musik soll uns alle zum Nachdenken über etwas anregen, das uns alle betrifft. Denn auch wir müssen zuweilen daran erinnert werden, dass wir nicht immer egoistische Entscheidungen treffen können und dürfen, sondern auch das Wohl unserer Mitmenschen im Blick halten. Denn erst, wenn man sich in die Gedankenwelt seines Gegenübers hineinversetzen kann, kann man ihn auch verstehen und ein Verständnis füreinander aufbauen, was eine Basis für Frieden sein kann.

Der Komponist Zane Zalis ist preisgekrönter Künstler und Musikpädagoge. Mit I BELIEVE – AN ORATORIO FOR HUMANITY schuf er ein modernes Oratorium, das im Jahr 2009 mit dem Winnipeg Symphony Orchestra, Solisten und einem Chor von 180 Sängern vor ausverkauftem Haus uraufgeführt wurde. Seit 2006 ist Zalis der künstlerische Leiter des Murau International Music Festival in Österreich. Dort führt er talentierte Sänger und Instrumentalisten aus Kanada und Europa zusammen. Er ist ein Pionier, wenn es darum geht, die kreative und kritische Denkfähigkeit von jungen Menschen mit dem Einsatz von Technik und Musik zu entwickeln. Er arbeitete bereits für Sarah Brightman, Rainbow Stage (ein Musical-Theater in Winnipeg), den BMI Musical Theatre Workshop in New York und hat am CD-Projekt „Remember“ zum 60. Jahrestag des D-Day mitgewirkt.

Eine besondere Ehre für ihn war, dass er als musikalischer Leiter des Galakonzerts anlässlich des goldenen Thronjubiläums von Queen Elizabeth II. ausgewählt wurde.

Zalis ist als Komponist für das St. Pauls College (University of Manitoba) tätig und kann mehr als 200 Studio-Aufnahmen als Musiker, Arrangeur, Produzent und Komponist vorweisen.