Chamber music for Oboe, Bassoon and Piano - Hartmann, Rácz, Kirichenko

»[Der Fagott] gleicht einem in dem Gebüsch verborgenen Veilchen, welches seine Wohlgerüche über die Wiese ergiesst, indess es in dem sie umgebenden Blumenkranz verborgen bleibt, wenn er nämlich bloss ausfüllt und nicht Solo spielt.« Castil-Blaze, De l'Opéra en France, 1820

Die metaphorischen Worte des französischen Komponisten und Musikkritikers Castil-Blaze entstammen einer Zeit, in der das Fagott eine entscheidende Entwicklung durchlief. Es scheint ihm geradezu bedauerlich, wenn die Qualität des Instruments nur verborgen zutage tritt. In der Tat fristete das Fagott bis ins 18. Jahrhundert hinein ein Dasein im Hintergrund. In dessen Verlauf verlagerte sich jedoch seine Verwendung und dem Fagott kamen – über die Begleitfunktion in der Basso continuo-Gruppe hinaus – zunehmend solistische Aufgaben zu.

Nach seinen ersten drei Alben mit Werken von Robert Schumann für Fagott und Klavier, den großen Fagottkonzerten von Mozart, Hummel und Weber und den großen französischen Fagottkonzerten, hat Matthias Rácz sich mit dem vierten Album der Kammermusik zugewandt. Zusammen mit dem Merel Quartett wurden Werke der beiden Zeitgenossen Mozart und Devienne aufgenommen, die sicherlich zu den bedeutendsten Beiträgen des kammermusikalischen Fagott-Repertoires gehören.

Auf dieser neuen SACD ist Kammermusik für Oboe, Fagott und Klavier zu hören mit Werken von Jean Francaix (1912-1997), Trio für Oboe, Fagott und Klavier (1994) – Daniel Schnyder (geb. 1961), Suite Symphonique für Oboe und Fagott (2019) – Francis Poulenc (1899-1963), Trio für Oboe, Fagott und Klavier op. 43 (1926) und Heitor Villa-Lobos (1887-1959), Duo für Oboe und Fagott W 535 (1957).

Wieder einmal zeigt der überragende Solist dieser Aufnahme, Mathias Rácz, dass dem Fagott anspruchsvolle und virtuose solistische Rollen zugewiesen werden können. Seine kongenialen Mitspieler sind Christoph Hartmann, Oboe und Anna Kirichenko, Klavier.


MAZELTOV RACHEL’E – The Yiddisch Songs from the Operetta by Christian von Götz

Die Uraufführung der jiddischen Operette MAZELTOV RACHEL’E wurde im Juni 2021 an der Oper Köln zum Sensationserfolg. Der Regisseur und Autor Christian von Götz hatte für dieses Stück diverse Nummern aus der Ära der New Yorker YIDDISH OPERETTA zwischen 1900 und 1920 (u.a. von Abraham Goldfaden, David Meyerowitz, Alexander Olshanetsky, Solomon Smulewitz, Louis Girod) musikalisch collagiert, neu jiddisch betextet und in einen eigenen Stückkontext gestellt.

Dafür hatte von Götz fast ein Jahr in amerikanischen Internet-Archiven nach Musiknummern „gegraben“, die in Europa wohl überhaupt noch nie erklungen sind, und diese dann in seiner Handlung einigen Evergreens der Yiddish Operetta (wie Goldfadens „Rozinskes mit mand’len“) gegenüber gestellt. Der „großartige, zu Tränen rührende Höhepunkt“ (Die deutsche Bühne, Juni 2021) der Operette allerdings war, als inmitten dieser überraschenden jiddisch-sprachigen Ausgrabungen der „Liebestod“ aus Richard Wagners „Tristan und Isolde“ erklang – auf Jiddisch!

MAZELTOV RACHEL’E ist die Geschichte der israelischen Sängerin Lea, die mitten in einer zentralen Lebenskrise nächtlichen „Besuch“ von ihren Ahnen bekommt: Von ihrer kapriziösen Ururgrossmutter Rachel, genannt das Rachel’e, die Operettendiva im Odessa der 1860er Jahre gewesen war, von Rachels Ehemann, dem Geiger Leyser Janowski, von ihrer beider Tochter Gisse, Leas Urgrossmutter, die später 70-jährig in Ausschwitz ermordet worden ist, und nicht zuletzt von dem grossen odessitischen Theaterimpressario Abraham Goldfaden selbst, dem Vater des jiddischen Theaters, wie er oft genannt wurde, der sich im Laufe der Handlung als Leas tatsächlicher Ururgrossvater entpuppt. Diese Begegnung mit ihren Wurzeln bringt Lea erst ins Leben zurück, schließlich kehren die Ahnen aber zurück und „holen“ die Sterbende „zu sich“.

Die Jiddischen Songs aus diesem temperamentvollen, tänzerischen, Genregrenzen sprengenden Spektakel liegen jetzt als Ersteinspielung bei ARS PRODUKTION vor. Neben Dalia Schaechter – der Rachel der Uraufführungsproduktion – singen Csilla Csövari, Matthias Hoffmann, Dustin Drosdziok und Verena von Götz.


Les Connivences Sonores – Musikalische Perlen – Originalwerke des 20. Jahrhunderts für Flöte und Harfe

Das Ensemble 'Les Connivences Sonores' entstand 2014 aus dem Treffen der beiden Instrumentalistinnen Odile Renault (Flöte) und Élodie Reibaud Harfe. Aus ihrer beiden Leidenschaft entsteht das Projekt zur Entdeckung und Wiederentdeckung eines reichen und wunderschönen originalen Kammermusikrepertoires, in dem das Duett Flöte und Harfe den zentralen Platz einnimmt. Odile und Élodie erkunden nämlich seit Jahren dessen erstaunliche Fülle. Das große romantische Repertoire erlaubt ihnen, sich der sinnlichen und virtuosen Dimension ihrer jeweiligen Instrumente zu widmen. Das 20. Jahrhundert, mit der Vielfalt seiner musikalischen Sprachen, setzt sie hingegen immer wieder in Erstaunen.


Florian Klaus Rumpf – A Mandolin‘s Guide to Hamburg

Florian Klaus Rumpf nimmt Sie auf seiner neuen SACD „A Mandolin’s Guide to Hamburg“ mit auf einen musikalischen Spaziergang durch seine Wahlheimat. Dabei setzt er mit Solowerken für Mandoline, Barockmandoline, Mandola und Liuto Cantabile aus den verschiedensten Kulturkreisen seine Lieblingsorte akustisch in Szene. Jedes der Stücke ist mit einer Hamburger Sehenswürdigkeit verbunden, deren Stimmung, Aussage oder Geschichte sich in der Musik widerspiegeln.


Emma Black – The Privileged Oboe vol 1 – Chamber works for oboe, violin and continuo

Emma Black: Von den sechs hier eingespielten Werken von J.S. Bach, C.P.E. Bach und G.F. Telemann (Vater, Sohn und Patenonkel) wurden nur zwei speziell für die Oboe komponiert, nämlich die g-moll Sonate von C.P.E. Bach und die a-moll Sonate von Telemann. Alle diese Werke eignen sich jedoch in Bezug auf Farbe, Tonumfang und Textur für die von mir hier gewählten Instrumentalkombinationen. Zur Zeit der Komposition war es üblich, für andere Instrumente geschriebene Stücke zu entleihen und zu adaptieren, was ich bei der Auswahl des Repertoires für diese Aufnahme beibehalten habe. Wenn ich die Sonate BWV 1020 (die J.S. Bach zugeschrieben wird, von der aber allgemein angenommen wird, dass sie von der Hand seines Sohnes stammt) aufführe oder unterrichte, hat die obligate Linie der rechten Hand des Cembalos in meiner Vorstellung immer die Form eines dritten Interpreten angenommen. Ich habe diese Idee mit der Violine umgesetzt und sie in eine Solo-Oboensonate mit obligater Violine und Continuo verwandelt. Die Aufnahme der beiden Orgeltriosonaten war schon lange eine Idee-fixe. Die Schönheit und Komplexität dieser Meisterwerke spiegelt die klagenden und lyrischen Qualitäten der Oboe/Oboe d'amore und der Violine/Viola perfekt wider.