Boris Bloch – Beethoven – Acht Sonaten

Das lang ersehnte Beethoven-Jahr ist nun doch anders ausgefallen als wir es gehofft haben. Auch das große Projekt von Nike Wagner, der künstlerischen Leiterin des Beethovenfestes Bonn, ist auf ein Jahr verschoben worden. Darin sollten u. a. alle Sinfonien von Beethoven in der Klavierfassung von Franz Liszt aufgeführt werden, und ich wäre an diesem Projekt beteiligt gewesen. Und dennoch ist für viele von uns Beethoven allgegenwärtig, nicht nur im Jahr 2020, sondern jedes Jahr, ja jeden Tag. Und es soll auch so bleiben.

Mehrmals im Leben habe ich an der Aufführung sämtlicher Klaviersonaten von Beethoven teilgenommen, das letzte Mal vor zwei Jahren. Sehr spannend verlief dabei die Verteilung der Sonaten auf die Pianisten, man konnte zwar eigene Wünsche äußern, sollte aber auch auf die Wünsche der anderen Rücksicht nehmen. Letzten Endes konnte ich an zwei Abenden acht meiner geliebten Sonaten spielen, wobei sie eigentlich mir alle lieb sind. Und dass ich „nur“ acht Sonaten spielen durfte und nicht mindestens doppelt so viele, geht eben auf die Rücksicht auf meine Mitstreiter zurück.

Jetzt kommt es mir vor als ob ich es geahnt hätte, als ich diese zwei Abende samt Generalproben mitschneiden ließ, denn ich bringe diesen Live-Mitschnitt gerade noch im offiziellen Beethoven-Jahr 2020 heraus, wo so viele Beethoven gewidmete Konzerte nicht stattfinden können.


Nicole Peña Comas – El canto del cisne negro

Mit El canto del cisne negro (Der Gesang des schwarzen Schwans) präsentieren wir eine Sammlung von noch weitgehend unbekannten Kompositionen für Violoncello und Klavier aus Latein-Amerika. Die Inspiration für den Titel O canto do cisne negro stammt von Heitor Villa-Lobos’ Auszügen aus seiner sinfonischen Dichtung Naufrágio de Kleônicos. Das vielfältige Programm setzt einen Schwerpunkt auf den Sonaten für Violoncello und Klavier von Manuel Ponce und Constantino Gaito. Otoño in Buenos Aires, ein Stück für Violoncello solo des mexikanischen Komponisten José Elizondo, zeigt die Farben und Vielfältigkeit des Instruments. Lateinamerikanische Komponisten wie Poce, Gaito, Villa-Lobos, Nin, und Saglie reisten nach Europa, um Musik zu studieren und waren hin- und hergerissen zwischen ihrer Bewunderung für die Kultur des alten Kontinents und ihrer Nostalgie und neugefundenen Wertschätzung ihrer eigenen kulturellen Wurzeln. Wir teilen diese Erfahrung mit ihnen und sind von ihrer Musik zutiefst berührt.


amu collection vol 5 – WEIMARERKLASSIK3

Die dritte Folge der WeimarerKlassik ist wiederum musikalischen Schätzen aus Thüringen gewidmet. Max Pommer und das Thüringische Kammerorchester Weimar haben sich diesmal auf Musik des 18. Jahrhunderts konzentriert und einen Schwerpunkt auf die Gattung Sinfonie gelegt. Liebhaber der klassischen und vorklassischen Musik dürfen auf ungewöhnliche Entdeckungen gespannt sein.


amu collection vol 6 – WEIMARERKLASSIK4 – WORLD PREMIERE RECORDING

„Da, in Sonntagsfrühe, zog ich mich einst in ein von meiner Familie entferntes Zimmer zurück. Die Glocken riefen die Frommen zum Tempel des Herrn. Die Sonne warf freund-liche, wohltätige Strahlen in mein Zimmer. Ich fühlte: ich war in behaglicher Künstlerstimmung. Siehe, da bildeten sich, mir unbewußt, die Worte des Erdgeistes: ‚In Lebens-fluten, in Tatensturm wall’ ich auf und ab, webe hin und her’ zur Melodie. Ich erfaßte sie. Ich prüfte vorwärts und rückwärts alle Worte, die der Dichter dem Erdgeiste in den Mund legt. Ich gewann die Überzeugung, daß Besseres zum Gesange nicht erfunden werden könnte. Ja, der ‚singende' Erdgeist mitten unter wunderbarer Gewalt der Instrumente mußte Faust gegenüber eine imponierende, erhabene Stellung einnehmen. So mußte sich’s der Dichter gedacht haben. Endlich war aber auf diesem Wege auch der Übergang vom Melodram zum Gesange als ein ganz natürlicher, folgerichtiger gefunden, und das Ganze erhielt somit eine kunstmäßige Gestalt.” Man mag es dem Weimarer Musikdirektor Carl Eberwein nicht verübeln, dass er diesen entscheidenden Schritt im Entstehungsprozess seiner „Faust”-Musik als geniale Inspiration in sonntäglich-strahlender Feierlichkeit darstellte. Denn groß war die Erleichterung, den kompositorischen Schlüssel endlich gefunden zu haben. Und so klingt das Gefühl der Befreiung noch aus den mit fast 25 Jahren Distanz niedergeschriebenen Lebenserinnerungen deutlich heraus. Goethe persönlich hatte Carl Eberwein 1815 die musikalische Ausgestaltung des „Faust” anvertraut. Doch erst im zweiten Anlauf, im Sommer 1829, gelang der Durchbruch. Von der inneren Blockade befreit, stand nun der Vollendung der „Entreactes und Gesänge zu Faust” nichts mehr im Wege.