Pleyel – Hidden Gems 4

Um Pleyels Quartette zu beschreiben bräuchte man eigentlich nur Wolfgang Amadé Mozarts Brief vom 24. April 1784 zu erwähnen, den er an seinen Vater Leopold nach Salzburg wie folgt schreibt:

„Dann sind dermalen Quartetten heraus von einem gewissen Pleyel; dieser ist ein Scolar von Joseph Haydn. Wenn sie selbige noch nicht kennen, dann suchen Sie sie zu bekommen; es ist der Mühe werth. Sie sind sehr gut geschrieben und sehr angenehm. Er wird seinen Meister gleich herauskennen. Gut und glücklich für die Musik, wenn Pleyel seiner Zeit imstande ist, uns Haydn zu remplacieren.“

Zwei Zeitgenossen, die sich schätzten: Pleyel und Mozart!

Die Streichquartette von Ignaz Pleyel zu spielen ist gerade für erfahrene Kammer-musiker eine besonders reizvolle Aufgabe. Man bewegt sich in einem Stil, der einem bestens vertraut ist und spielt doch ganz neue Musik, die voller Überraschungen steckt: Wenn es zum Beispiel in der Reprise Abweichungen zur Exposition gibt, unerwartete Wendungen von Dur nach Moll auftauchen oder auch die Eigenheit in der Instrumentierung, die alle Instrumente und jeden Spieler (sogar den zweiten Geiger) immer wieder mit der Weiterführung der Hauptstimme betraut. Stets bezaubert die Eleganz dieser Musik, ein wesentliches Stilelement der Wiener Klassik, das bei Pleyel ganz im Vordergrund steht. Hier wird die Schönheit der Musik durch größtmögliche Feinheit zum Ausdruck gebracht, eine noble, selbstgewählte Einschränkung der eigenen Mittel, ein eindeutiges Kennzeichen wahrer Kunst. Dominik Hellsberg


Ensemble Ad Fontes – Pregón del cantante vagabundo

Das Ensemble Ad Fontes präsentiert hier ein poetisches Programm, das frühe Instrumente im und außerhalb des üblichen Kontextes der alten Musik präsentiert. Der Titel 'Prégon de un cantante vagabundo' bringt die allgemeine Idee eines zeitlos reisenden Sängers, Musikers, Troubadours, der Airs de Cour- und Consort-Musik aus der Zeit Ludwigs XIII., französische traditionelle Balladen in eigenen Arrangements und schließlich zeitgenössische Musik überträgt des Komponisten Bardia Charaf über den Text von Royds Fuentes-Imbert. Bardias Musik wird von spanischer und orientalischer traditioneller sowie alter Musik inspiriert.

Ensemble Ad Fontes Anne Simone Aeberhard, Blockflöten • Bruno Hurtado Gosalvez, Violone • Leonardo Bortolotto, Viola da gamba • Filipa Meneses, Viola da gamba • Mojca Gal, Violine in alter Mensur • Miguel Bellas, Archiliuto • Charlotte Nachtsheim, Harfe und Sopran • Sebastian Mattmüller, Bariton • Bardia Charaf, Perkussion • Alberto Arcos, Sprecher


Boris Bloch vol 10 – Aveu passionné

Diese CD trägt den Namen „Aveu passionné“. Zum einen wegen des Tschaikowsky-Stückes mit dem gleichen Titel (zu Deutsch „Leidenschaftliches Bekenntnis“), zum anderen wegen meiner innigsten Verbindung zur russischen Musik, insbesondere der russischen Oper, und nicht zuletzt wegen meiner großen Liebe zu der Sängerin Galina Vischnevskaya. Es mag auf den ersten Blick zwar nicht offensichtlich erscheinen, bei näherer Betrachtung der hier ausgewählten Stücke lässt sich diese Verbindung besser verstehen. Denn Borodin, Mussorgsky, Rimski-Korsakov, aber auch Glinka und Tschaikowsky sind in erster Linie Opernkomponisten. Jedes Mal, wenn ich ihre Musik am Klavier aufführe, steht mir der ganze Kosmos ihrer Opern vor Augen. Da ich das Glück hatte, einige dieser großen Opern selbst zu dirigieren, zum Beispiel Glinkas „Das Leben für den Zaren“, Dargomyshskis „Der steinerne Gast“, „Boris Godunov“ von Mussorgsky, „Fürst Igor“ von Borodin, wie auch einige Opern von Rimski-Korsakov und Tschaikowsky – bilden sie für mich das Lebenselixier, das meine Fantasie stets beflügelt. Boris Bloch


Alvaro Mendizabel – The sleep of reason

Álvaro Mendizabal: Was bedeutet "klassische Gitarre"? Für mich verkörpert dieser Begriff den platonischen Traum von Generationen von Gitarrist*innen, die obwohl sie ein in der Populärmusik verwurzeltes Instrument ausüben, nach Akzeptanz vonseiten der Intellektuellen streben. Trotz der weltweiten Entwicklung von Studiengängen in „klassischer Gitarre“ in den letzten 60 Jahren, sind Gitarrist*innen nur selten in der Klassik-Welt vertreten und werden von Orchestern und Konzertreihen in renommierten Konzerthäusern quasi ignoriert. Die Nachwuchs-Gitarrist*innen, die von einer etablierten Künstleragentur gemanagt werden oder auf eine anhaltende Karriere zurückblicken können, kann man an einer Hand abzählen. Wie kann das sein? Was tun also all die anderen Tausenden von Gitarrist*innen? Die CD „Der Schlaf der Vernunft“ verwendet Tedescos Vertonung von Goyas Kunstwerk „El Sueño de la Razón Produce Monstruos“ („Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“) als Kernstück des Albums, welches 400 Jahre voller „Gitarren-Träume“ zusammenfasst und die derzeitige Realität von Berufsgitarrist*innen erklärt. Dabei nimmt jedes Werk als musikalische Vignette die Hörer*innen auf eine Reise des Entdeckens und und Verstehens des Begriffs „klassische Gitarre“ mit.

Álvaro Mendizabal ist ein Business Manager, der klassische Gitarre bei zahlreichen renommierten Gitarrist*innen wie den Grammy-Gewinnern Sergio Assad und David Russel sowie dem Echo Klassik Gewinner Prof. Joaquín Clerch studiert hat. Er ist Preisträger von Gitarrenwettbewerben, konzertierte als Solist mit Symphonieorchestern in Latein Amerika und den USA und arbeitete als Künstlermanager. Getrieben von seinen Ambitionen, sich stets weiterzubilden, entwickelte er anschließend eine Karriere als Strategie-Berater für Technologiekonzerne in Silicon Valley. Dies ist sein Debut-Album.

In Anlehnung an Goyas Zyklus „Los Caprichos“ ist jedes Werk dieser CD mit einem Sprichwort oder Zusatztitel versehen, um einen programmatischen Effekt zu erzeugen, der die Hörer*innen auf eine Entdeckungsreise der „klassischen“ Gitarre mitnimmt. Fühlen Sie sich frei, die Bedeutung dieser Sprichwörter oder Zusatztitel zu googeln, wenn Sie das Album hören. Ich gebe Ihnen einen ersten Hinweis: Auf Spanisch kann "Sueño" sowohl "Schlaf" als auch "Traum" bedeuten – Sie entscheiden über Ihre persönliche Interpretationsweise.


Jiddische Lieder – Dalia Schaechter, Christian von Götz

Die Opernsängerin Dalia Schaechter sang u. a. an den Opernhäusern in Wien, Berlin, Paris, München, Madrid und Zürich und ist „nebenbei“ seit 25 Jahren festes Mitglied im Ensemble der Oper Köln. Der Opernregisseur Christian von Götz inszenierte u.a. an den Opernhäusern in Berlin, Hamburg, Köln, Kopenhagen, München, Leipzig, Lissabon und beim Edinburgh International Festival.

Dass Dalia Schaechter und Christian von Götz (an der Gitarre!) Lieder des jiddischen Komponisten Mordechai Gebirtig (1877-1942) aufführen und auf CD aufgenommen haben, ist das ungewöhnliche Projekt zweier Künstler mit einem klaren Anliegen: Vergessene jüdische Komponisten wieder ins Blickfeld zu rücken.

Dalia Schaechter über das Gebirtig-Projekt: „Christian hat für sein aktuelles Projekt für die Oper Köln nach vergessenen jüdischen Komponisten gesucht. Ich schickte ihm die Noten einiger Lieder von Mordechai Gebirtig, dem jiddischen Liedermacher, der im Krakauer Ghetto auf offener Strasse von einem deutschen Soldaten erschossen wurde. Die Lieder sind sehr poetisch, sie handeln vom Leben im Krakauer jüdischen Stadtteil Kazimierz, von Rabbis und Fabrikarbeiter, von Gangstern und Liebenden. In Deutschland sind sie leider nahezu unbekannt, obwohl er und seine ganze Familie Holocaust-Opfer waren.“

Christian von Götz über das Gebirtig-Projekt: „Mich haben die Texte und Melodien der Gebirtig-Lieder sehr berührt. Und ich hatte das Gefühl, dass es da eine Lücke zu schließen gibt. Deshalb wollte ich sie einfach aufnehmen. Das Label ARS Produktion entschied dann, eine ganze CD mit unseren Fassungen der Lieder zu produzieren. Vielleicht faszinieren diese Lieder uns Opern-Leute deswegen so, weil es eigentlich